Kurz erklärt
Die ersten 30 Tage nach der Betriebsratswahl entscheiden häufig darüber, ob ein Gremium strukturiert, handlungsfähig und durchsetzungsstark arbeitet. In dieser Phase werden die Grundlagen für die zukünftige Betriebsratsarbeit geschaffen.
Worum geht es konkret?
Nach der konstituierenden Sitzung beginnt die eigentliche Arbeit des Betriebsrats. Viele neue Gremien machen den Fehler, unmittelbar mit einzelnen Themen zu beginnen, ohne zuvor klare Strukturen aufzubauen.
Ein Betriebsrat benötigt gerade in der Anfangsphase:
- klare Abläufe
- feste Zuständigkeiten
- funktionierende Kommunikation
- ein gemeinsames Verständnis der Aufgaben
Die ersten Wochen sind deshalb keine bloße Übergangsphase, sondern eine wichtige Aufbauphase.
Rechtliche Grundlage
Die Arbeit des Betriebsrats basiert auf dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).
Wichtige Punkte in der Anfangszeit:
- Betriebsratssitzungen müssen ordnungsgemäß durchgeführt werden
- Beschlüsse müssen korrekt gefasst werden
- Betriebsratsmitglieder haben Anspruch auf notwendige Schulungen (§ 37 BetrVG)
- Freistellungen können nach § 38 BetrVG erforderlich sein
Diese Rechte und Möglichkeiten müssen aktiv genutzt werden, damit der Betriebsrat arbeitsfähig bleibt.
Schritt für Schritt durch die ersten 30 Tage
Arbeitsfähigkeit sichern
- Regelmäßige Sitzungstermine festlegen
- Kommunikationswege im Gremium abstimmen
- Organisatorische Abläufe festlegen
Struktur im Gremium schaffen
- Zuständigkeiten verteilen
- Themenschwerpunkte festlegen
- Erste Überlegungen zu Ausschüssen führen
Schulungsbedarf klären
- Kenntnisse und Erfahrungen der Mitglieder einschätzen
- Notwendige Grundlagenschulungen identifizieren
- Schulungen zeitnah beschließen
Schulungen sind keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine wichtige Voraussetzung für sachgerechte Betriebsratsarbeit.
Verhältnis zum Arbeitgeber klären
- Erste Gespräche mit dem Arbeitgeber führen
- Kommunikationswege festlegen
- Die eigenständige Rolle des Betriebsrats deutlich machen
Kontakt zur Belegschaft herstellen
- Den neuen Betriebsrat vorstellen
- Erreichbarkeit sicherstellen
- Vertrauen aufbauen und Präsenz zeigen
Dringende Themen identifizieren
- Aktuelle Konflikte oder Probleme erfassen
- Anstehende personelle Maßnahmen prüfen
- Themen priorisieren, die kurzfristig bearbeitet werden müssen
Typische Fehler
Fehlende Struktur
Ohne klare Organisation entsteht schnell Unsicherheit und Stillstand.
Schulungen werden verschoben
Das führt häufig zu Fehlern und unnötigen Konflikten.
Unklare Aufgabenverteilung
Arbeit bleibt liegen oder wird doppelt erledigt.
Zu große Nähe zum Arbeitgeber
Gerade zu Beginn muss die Eigenständigkeit des Betriebsrats deutlich bleiben.
Was der Betriebsrat jetzt tun sollte
- Feste Sitzungstermine vereinbaren
- Zuständigkeiten im Gremium klar verteilen
- Notwendige Schulungen beschließen
- Aktiv den Kontakt zur Belegschaft suchen
- Die Zusammenarbeit im Gremium organisieren und stärken
Die ersten 30 Tage entscheiden häufig darüber, ob ein Betriebsrat dauerhaft nur reagiert oder aktiv gestaltet.

